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Salah (Das Gebet) in der Maliki-Schule
Die Maliki-Schule zeichnet sich im Gebet durch einige sehr sichtbare Alleinstellungsmerkmale aus, am bekanntesten ist das "Sadl" (das Herabhängenlassen der Arme anstatt sie zu falten) und die Abneigung gegen die Basmalah am Anfang der Fatihah.
1. Vorbedingungen (Shurut)
Fard (Absolut verpflichtend)
- Rituelle Reinheit (Wudu/Ghusl).
- Reinheit von Körper, Kleidung und Gebetsplatz von Najasah.[^1]
- Bedeckung der 'Awrah.
- Sicheres Wissen über den Eintritt der Gebetszeit.
- Ausrichtung zur Qiblah (Kaaba).
2. Die Säulen (Fara'id/Arkan) des Gebets
Wird ein Fard weggelassen (egal ob absichtlich oder aus Vergessenheit), ist das Gebet ungültig.
- Die Niyyah (Absicht).
- Takbirat al-Ihram ("Allahu Akbar").
- Qiyam (Stehen) während des ersten Takbirs und der Fatihah.
- Rezitation der Al-Fatihah: Sie ist Fard in jeder Raka'ah.[^2]
- Ruku' (Verbeugung).
- I'tidal / Raf' (Das Aufrichten aus dem Ruku.).
- Sujud (Die Niederwerfung - nur die Stirn ist zwingend Fard, die anderen Körperteile wie Nase, Hände, Knie, Zehen sind Sunnah!).
- Julus (Das Aufrichten zwischen den zwei Sujuds).
- Tuma'ninah (Ruhe): Das Verharren in völliger Bewegungslosigkeit in Ruku', I'tidal, Sujud und Julus.
- Das letzte Sitzen (in der Länge des Salams).
- Der erste Salam ("As-Salamu 'alaikum").
- Die Reihenfolge (Tartib).
3. Die Sunnah-Handlungen im Gebet
Sunnah Mu'akkadah (Betonte Sunnah)
Wird eine (oder mehrere) dieser Sunnahs weggelassen, sollte dies durch eine Vergesslichkeits-Niederwerfung (Sujud as-Sahw) kompensiert werden.
- Die Rezitation einer zusätzlichen Surah nach der Fatihah in den ersten zwei Raka'at.
- Das laute Rezitieren (Jahri) in Fajr, Maghrib und 'Isha.
- Das leise Rezitieren (Sirri) in Zuhr und 'Asr.
- Jeder Takbir (außer dem ersten Takbirat al-Ihram).
- Sprechen von "Sami'allahu liman hamidah" beim Aufrichten aus dem Ruku' (für Imam und Einzelbeter).
- Das erste Sitzen (Tashahhud Ula) in einem 3/4-teiligen Gebet.
- Das Rezitieren des Tashahhud (sowohl das erste als auch das letzte Mal).
Mandub / Mustahabb (Empfohlen)
- Sadl (Hängende Arme): Nach der vorherrschenden Meinung (Mashhur) in der Maliki-Schule ist es Mandub (empfohlen), die Arme im Stehen (Qiyam) bei Fard-Gebeten locker an den Seiten hängen zu lassen.[^3]
- Das Heben der Hände (bis zu den Schultern) nur beim ersten Takbirat al-Ihram.
- Sprechen von "Rabbana wa lakal hamd".
4. Makruh (Verpönte Handlungen im Gebet)
- Die Basmalah und Ta'awwudh: Es ist Makruh (verpönt), vor der Fatihah oder der Zusatzsurah im Fard-Gebet "A'udhu billah" oder "Bismillah" zu sagen.[^4]
- Das Falten der Hände (Qabd) im Fard-Gebet (wie oben erwähnt).
5. Das Witr-Gebet
- Das Witr-Gebet ist eine Sunnah Mu'akkadah.
- Es besteht aus 3 Raka'at, wird aber strikt getrennt gebetet: Erst 2 Raka'at (Shaf') mit Salam am Ende. Danach steht man auf und betet 1 einzelne Raka'ah (Witr) mit einem eigenen Salam.[^5]
- Der Qunut im Fajr: Im Gegensatz zum Witr ist das Sprechen des Qunut im Fajr-Gebet Mandub (empfohlen). Er wird leise (sirr) gesprochen, und zwar vor dem Ruku' der zweiten Raka'ah.[^6]
6. Das Jumu'ah-Gebet
- Pflicht (Fard): Das Freitagsgebet ist Fard für jeden freien, volljährigen, gesunden, ortsansässigen Muslim — nicht für Reisende, Kranke oder Frauen.
- Maliki-Besonderheit (Mindestanzahl): Die Mashhur-Ansicht der Maliki-Schule fordert 12 Männer (inklusive Imam), um Jumu'ah zu vollziehen — eine der niedrigsten Hürden unter den Schulen (Shafi'i/Hanbali fordern 40).
- Die Khutbah: Ist eine Bedingung (Shart) für die Gültigkeit des Jumu'ah-Gebets. Beide Khutbahs müssen in Arabisch gehalten werden.
- Maliki-Besonderheit (Ort): Jumu'ah ist an einen festen Ort (eine Stadt oder ein Dorf — Misr) gebunden. In verstreuten Siedlungen ohne feste Gemeinschaft ist Jumu'ah nicht obligatorisch.
7. Sujud al-Sahw (Vergesslichkeits-Niederwerfung)
Die Maliki-Schule hat die differenzierteste Regel für Sujud al-Sahw.
- Bei Zusatz (Ziyadah — z.B. eine extra Raka'ah): Sujud al-Sahw vor dem Salam.
- Bei Auslassung (Nuqsan — z.B. eine Sunnah Mu'akkadah vergessen): Sujud al-Sahw nach dem Salam.
- Bei Zweifel (Shakk — z.B. 2 oder 3 Raka'at gebetet?): Auf die sicherere (niedrigere) Zahl aufbauen, dann Sujud al-Sahw nach dem Salam.
- Vergleich: Hanbali macht Sujud al-Sahw immer vor dem Salam. Hanafi immer nach dem Salam. Maliki unterscheidet nach Art des Fehlers — was die präziseste Regelung ist.[^7]
8. Das Reisegebet (Salat al-Musafir): Qasr und Jam'
Qasr (Kürzung der Gebete)
- Auf Reisen ab einer Distanz von 4 Burud (ca. 48 Meilen ≈ 85–89 km) werden die viergliedrigen Gebete (Zuhr, 'Asr, 'Isha) auf 2 Raka'at gekürzt.
- Maliki-Einstufung: Das Kürzen ist Sunnah Mu'akkadah — wer auf Reisen dennoch voll betet, dessen Gebet ist gültig, aber er hat eine betonte Sunnah ausgelassen. (Hanafi: Qasr ist Wajib, Vollbeten sündhaft; Shafi'i/Hanbali: freie Wahl als Rukhsah).
- Dauer am Zielort: Wer beabsichtigt, sich 4 volle Tage oder länger an einem Ort aufzuhalten, betet dort wieder voll — die Reise-Erleichterung endet.
Jam' (Zusammenlegen zweier Gebete)
- In 'Arafah und Muzdalifah: Das Zusammenlegen ist für den Pilger Sunnah (Zuhr+'Asr in 'Arafah vorgezogen, Maghrib+'Isha in Muzdalifah nachgeholt).
- Bei Regen: Die Maliki-Schule erlaubt das Zusammenlegen von Maghrib und 'Isha in der Moschee bei starkem Regen, Matsch oder Dunkelheit — eine praktische Erleichterung für die Gemeinde.
- Auf Reisen: Erlaubt, wenn die Reise es erfordert (z.B. Weiterfahrt vor Eintritt der zweiten Gebetszeit).[^8]
Die fünf Schulen im Vergleich
[^1]: Die Malikiten stufen die Beseitigung von Najasah als Wajib ein, wobei das Gebet bei Unwissenheit oder Unfähigkeit zur Beseitigung gültig bleibt (Besonderheit der Schule). [^2]: Imam Malik stützt sich auf den Hadith: "Kein Gebet für denjenigen, der nicht die Eröffnung des Buches (Al-Fatihah) liest." (Sahih al-Bukhari). [^3]: Beweis (Dalil): Dies basiert auf dem 'Amal (der Praxis) der Leute von Medina, die Imam Malik so vorfand. Er sah die Gelehrten Medinas mit hängenden Armen beten. [^4]: Imam Malik begründete dies damit, dass er die Leute von Medina ('Amal) nicht sah, wie sie die Basmalah im Fard-Gebet rezitierten. [^5]: Dies folgt der Praxis von Ibn 'Umar und den Bewohnern Medinas. [^6]: Basierend auf einer Überlieferung über die Praxis von Kalif 'Umar ibn al-Khattab. [^7]: Die Maliki-Systematik basiert auf dem Hadith von Abu Sa'id al-Khudri (Sahih Muslim) für Zweifelsfälle und dem allgemeinen Prinzip: "Sühne für Zusatz = vor dem Salam (um die Tat rückwirkend zu revidieren); Sühne für Auslassung = nach dem Salam (da das Gebet technisch abgeschlossen ist)". [^8]: Die Regen-Jam'-Erlaubnis stützt sich auf den Hadith von Ibn 'Abbas (Muwatta'/Muslim), dass der Prophet ﷺ in Medina Maghrib und 'Isha ohne Furcht und Reise zusammenlegte — Imam Malik überlieferte ihn selbst und bezog ihn auf Regennächte.
