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Biografie: Imam Abu Hanifa ​

Nu'man ibn Thabit, bekannt als Imam Abu Hanifa (80-150 n. H.), ist der Begründer der hanafitischen Rechtsschule. Er war persischer Abstammung und lebte in Kufa (Irak), einem Zentrum des Handels und des intellektuellen Austauschs.

Leben und Wirken ​

Abu Hanifa war ursprünglich ein wohlhabender Seidenhändler, bevor er sich dem Studium der islamischen Wissenschaften widmete. Sein wichtigster Lehrer war Hammad ibn Abi Sulayman. Die Umgebung des Irak – weit entfernt von Medina und voller neuer, gesellschaftlicher Probleme durch die Expansion des Reiches – zwang Abu Hanifa und seine Schüler, ein Rechtssystem zu entwickeln, das stark auf Rationalität und juristischer Ableitung basierte.

Seine Methodik ​

Abu Hanifa gründete eine Akademie (eine Art juristischen Zirkel), in der er Fälle nicht diktierte, sondern mit seinen Schülern (wie Abu Yusuf und Muhammad al-Shaybani) debattierte, bis ein Konsens gefunden wurde. Seine Methode betonte:

  1. Den strengen Text (Qur'an und Mutawatir-Hadithe).
  2. Eine hohe kritische Schwelle für die Annahme von einzelnen (Ahad) Hadithen.
  3. Qiyas (Analogieschluss): Seine Schule perfektionierte die juristische Logik.
  4. Istihsan (Juristische Präferenz): Das Aufgeben eines strikten Qiyas zugunsten einer Lösung, die in der Praxis gerechter oder praktikabler ist.
  5. Hypothetisches Fiqh: Abu Hanifa beantwortete Fragen zu Problemen, die noch gar nicht eingetreten waren ("Was wäre, wenn..."), was das hanafitische Recht extrem vorausschauend machte.

Die Mihna (Prüfung) ​

Abu Hanifa weigerte sich standhaft, Ämter unter den umayyadischen und später den abbasidischen Kalifen (wie Al-Mansur) anzunehmen, da er nicht das Instrument ungerechter Herrscher sein wollte. Aufgrund seiner Weigerung, das Amt des obersten Richters (Qadi al-Qudat) anzunehmen, wurde er ins Gefängnis geworfen und dort ausgepeitscht. Er starb im Gefängnis in Bagdad.

Wissenschaftliche, überparteiliche Enzyklopädie der fünf Rechtsschulen.